Die Bewertungsparameter “fair” und “sozial” sind im Grunde auf die ganze Wertschöpfungskette anzuwenden: die soziale Verantwortung, die ein Unternehmen seinen Mitarbeitern sowie der Einkäufer seinem Lieferanten gegenüber hat. Ich möchte hier Initiativen vorstellen, die noch einen Schritt weiter gehen und benachteiligte Gruppen in die Herstellung von Produkten miteinbeziehen.
Artikel dieser Reihe:
0. Übersicht
1. Design aus Abfällen
2. Design von sozial benachteiligten Gruppen
3. Design, das kulturelle Identität wahrt und auf Fairtrade basiert
4. Grünes Design
5. Das nahe Design oder Design von Unbekannten
6. Design, dass die Welt verbessert (noch in Arbeit)
Was ist eigentlich fair und sozial?
Das Attribut “fair” im Zusammenhang mit Produkten kann alles mögliche beinhalten: Fairer Handel beispielsweise — in Wikipedia definiert als kontrollierter Handel, bei dem die Erzeugerpreise für die gehandelten Produkte üblicherweise über dem jeweiligen Weltmarktpreis angesetzt werden.
Sozial ist auch der verantwortliche Umgang mit Mitarbeitern eines Unternehmens. In Wikipedia werden beispielsweise die definierten Sozialstandards im Rahmen der Welthandelsordnung aufgeführt, die menschenwürdige Arbeitsbedingungen und einen hinreichenden Schutz gewährleisten sollen.
Und zu guter Letzt zeugt es von sozialer Verantwortung, Randgruppen unserer Gesellschaft in die Wertschöpfungskette zu integrieren, beispielsweise durch Eingliederungshilfen von behinderten Menschen. Ob die Eingliederungshilfe im Detail von allen Betroffenen und Meinungsbildern beispielsweise in Form von Behinderten Werkstätten als “sozial” wahrgenommen wird, habe ich anhand des Aspektes “faire Entlohnung” in dem Interview mit Raúl Aguayo-Krauthausen und Burkard Roepke (Interview folgt demnächst) vom WfbM diskutiert. Siehe dazu auch in Wikipedia Arbeitsentgelt. In dem Gespräch mit Herrn Roepke wird auch thematisiert, dass das die Ausbildung in dem Berufsbildungsbereich der Werkstätten gesetzlich nicht in Form von offiziellen Abschlüssen anerkannt wird. Ist das fair?
Wer entwickelt das Design und wer ist für die Herstellung zu ständig?
Ähnlich der Gruppierung in dem Artikel “Abfälle werden zu Design-Produkten” sind auch hier zwei Gruppen auszumachen:
1. Entwicklung der Produkte von Designern, vertrieben über eine Eigenmarke
2. Produkte, die von Not-for-Profit (NFP) Organisationen hergestellt und vertrieben werden
Es stellt sich die Frage, wie in der Fülle des Angebots zwischen dem „guten“ und weniger dem „gut gemeinten“ Design — siehe dazu Interview Zwick — zu differenzieren ist. Wenn man einmal von geschmäcklerischen Gesichtspunkten absieht, fällt auf, dass die NFPs, die ihre Produkte nicht nur auf den lokalen Weihnachtsmärkten vertreiben wollen, durchaus den Unterschied für sich erkannt haben. Was in Konsequenz dazu führt, dass die Entwicklung der Produkte, sprich das Design, fest in Händen von ausgebildeten Designern liegt und “nur” das Produzieren den Benachteiligten überlassen wird.
Wie arbeiten NPOs mit Designern zusammen?
Die Designer arbeiten in unterschiedlichsten Formen mit den NFPs zusammen: Die ViaWerkstätten beispielsweise stellen Designer fest an, Loony-Design kooperiert mit Studenten der Akademie der Künste in Stuttgart und die Imaginären Manufaktur wurde neben studentischen Engagement stark von dem Design Büro Vogt und Weizenegger unterstützt. Offenbar gibt es auch einmalige Kooperationsformen im Rahmen von Diplomarbeiten, wie das Beispiel Wanderstab GEMSE der Lebenshilfe Detmold illustriert.
Unterschiedliche Gruppen von Benachteiligte
In meiner Recherche habe ich folgende Gruppen von Benachteiligten gefunden, wobei in abfallender Reihenfolge in der nachfolgenden Liste auch die Beispiele an Initiativen weniger werden:
Gruppen von Benachteiligten
Behinderten Werkstätten
Behinderten Werkstätten machen eindeutig die größte Gruppe aus. Dabei sind innerhalb Deutschlands folgende Beispiele für NFPs zu nennen, die ihre Produkte von Designern entwickeln lassen, selbst herstellen und vertreiben:
1. Im Interview: Loony-Design
2. Im Interview: ViaWerkstätten
3. Website: Imaginären Manufaktur
4. Website: Side-by-Side
5. Website: Fairwerk
Ebenfalls zahlreich im Verhältnis sind Designer, die ihre Produkte in Behinderten Werkstätten produzieren lassen. Allerdings gehen die Designer in der Kommunikation mit dem Aspekt der sozialen Herstellung unterschiedlich um. Dieses Phänomen habe ich in einen meiner Artikel als strategisches Dilemma bezeichnet bzw. es in den Interviews mit Loony-Design oder auch “pluma cubic” diskutiert. Nachfolgend einige Beispiele für Designer-Labels, die verschiedene Einzelteile ihrer Produkte in Behinderten Werkstätten produzieren lassen.
Kommunizieren die soziale Herstellung nicht
1. Moormann
2. Pluma Cubic
Kommunizieren die soziale Herstellung
1. nach acht
2. roomsafari
3. Konstantin Slawinski
Gefängnisse
Auffallend bei allen Beispielen ist, dass ihr Schwerpunkt in der Schneiderei liegt. Es gibt zwei prägnante Labels, die in enger Kooperation mit bzw. direkt in Gefängnissen entstanden sind, die bewusst die mit Knast verbundene Athmosphäre romantisieren. Warum sich der Knast für diese Form der Projektion auf ein Markenimage eignet und Behinderten Werkstätten weniger, diskutiere ich in dem Interview mit Matthias Riedel (noch in Arbeit).
Labels in enger Kooperation mit bzw. in Gefängnissen
1. Santafu
2. Häftling, das Interview ist noch in Arbeit
Labels von Designern, die in Gefängnissen produzieren lassen
1. Lemonfish
2. Canvasco
Und andere
Auch in dem Betätigungsfeld der Schneiderei habe ich das Migranten-Projekte Atelier La Silhouette und das Frauen-Projekt Affentor. Beide haben zum Ziel ihre Schützlinge — Migrantinnen bzw. langzeitarbeitslose Frauen — zu Bekleidungsnäherin zu qualifizieren.
Als Kuriosikum würde ich meinen letzten Fund bezeichnen und es sei dahin gestellt, dass sich die Macher selbst auch als Randgruppe bezeichnen würden. Bei Oma Schmidts Masche werden selbst gemachte Produkte von Häkel-Omas und Werkel-Opas angeboten.
Hier gehts zur Übersicht der aktuellen Artikel
Comments
No comments for this post