Vielfach finden im Bemühen um Wettbewerbsfähigkeit und Anpassung an globale Anforderungen die kulturellen Werte – und damit der ureigene Charakter – einer Region keine Beachtung mehr oder gehen gar verloren. Meine Beispiele heute zeigen, wie diverse sozial motivierte Projekte, die in unterschiedlichen Regionen dieser Welt beheimatet sind, Aspekte von Design und Produktentwicklung integrieren.
Artikel dieser Reihe:
0. Übersicht
1. Design aus Abfällen
2. Design von sozial benachteiligten Gruppen
3. Design, das kulturelle Identität wahrt und auf Fairtrade basiert
4. Grünes Design
5. Das nahe Design oder Design von Unbekannten
6. Design, dass die Welt verbessert (noch in Arbeit)
Methode cleanEuro
Die Methode cleanEuro empfiehlt Konsumenten, die nachhaltige Produkte einkaufen wollen, sich jeweils die drei Fragen zu stellen:
Ist das Produkt fair, öko, nahe?
Fair
Ich fokkosiere mich heute auf das fair, wobei man darunter natürlich wieder vieles verstehen kann. Fair kann bedeuten, seinen Mitarbeitern gegenüber fair zu sein oder wie in einem meiner Artikel vorgestellt, soziale Randgruppen in den Wirtschaftskreislauf einzubinden. Fair wird in der Diskussion über Nachhaltigkeit und Verantwortung oft aber auch im Zusammenhang mit Fair-Trade gesehen d.h. nicht auf Kosten von Menschen in anderen Erdteilen zu konsumieren. Ein letztes fair sei für das Design aufgeführt, dass die kulturelle Identität einer Region respektiert und neu belebt. Die nachfolgenden Projekte greifen insbesondere die letzten zwei Aspekte auf.
Gruppierung der Initiativen
Die bereits getroffene Einteilung der Projekte wie in dem oben zitierten Artikel über Design von sozialen Randgruppen in Designer oder NPOs als Initiatoren, übernehme ich hier ebenfalls. Wobei ich in diesem Zusammenhang wieder auf die Definition von Carola Zwick von „guten“ und „gut gemeinten“ Design — siehe dazu Interview Zwick — verweisen möchte, um zwischen Folklore und bewussten Gestalten zu unterscheiden.
Designer als Initiatoren
Bruno Winter
In der Zusammenarbeit mit dem Fair Trade Handelskonsortiums B.D.S., I.U.A.V. und Craftlink Hanoi entstand ein aussergewöhnlicher Abfalleimer: Zunächst ein festes Bambusrohr wandelt er mit wachsendem Inhalt seine Gestalt. Die vietnamesischen Handwerker entscheiden dabei selbst über die Proportionen eines jeden Stücks.

Vasen “WeMade”
Die holländischen Designer Rixt Reitsma und Lidewij Spitshuis unterstützen in ihrem Projekt “WeMade” Erdbebenopfern in Java Indonesia. Die Vasen aus gepresstem Bambus und bespannt mit indonesischen Naturfasern sowie andere Haushaltsgegenstände / wurden zusammen mit lokalen Handwerkern entwickelt. Ihnen kommt ein angemessener Teil des Erlöses zu.
Beatrix Borsos
Die Abschlussarbeit der ehemaligen Studentin der Akademie ecosign für ökologisch orientiertes Designs behandelt eine exemplarische Konzept- und Produktentwicklung, wie sie für die Provinz Vojvodina im heutigen Serbien umgesetzt werden könnte. Sie soll veranschaulichen, wie für eine wirtschaftlich schwache Region unter Berücksichtigung ihrer regionalen und kulturellen Ressourcen ein angemessenes Konzept zur Selbsthilfe gestaltet werden kann. Die Vasenreihe “vaza” verbindet die traditionellen lokalen Handwerke der Textilstickerei und der Keramik zu einer Produktinnovation.
ZUMOS
ZUMOS ist ein Team von Maya Tz’utuhil Weberinnen aus San Juan La Laguna, Guatemala, die mit der norwegischen Designerin Heidi Strøm zusammen arbeiten, um innovative Textilien zu kreieren.
NPO als Initiatoren

BHcrafts
BHcrafts ist eine NPO, die mit dem Projekt “Centre for transfer of traditional craft skills” die Lebensqualität für die Menschen in Bosnien und Herzegovina verbessern möchte finanziert von der Europäischen Union. Sie kooperiert mit hunderten von Frauen mit unterschiedlichsten ethnischen Hintergrund, mit der Zielsetzung einerseits das Einkommen der Frauen zu verbessern und andererseits mit ästhetischen qualitativ hochwertigen Souvenirs die Region touristisch attraktiver zu machen.

women for women
Die NPO Women for Women International hilft Frauen in Kriegs- und Nachkriegsländern ihre kunsthandwerklichen Talente durch Training und psychologische Unterstützung wieder zu mobilisieren und die Ästhetik ihrer kulturellen Sprache neu zu entdecken.
Weitere

Die NPO one thread fair trade arbeitet ebenfalls mit Gruppen von benachteiligten Künstlerinnen zusammen. Ein ähnliches Konzept hat die NPO Aid To Artisans, die auf einer Plattform diverse Produkte von Kunsthandwerk aus allen Herren Länder anbietet.
Um die zwei anderen am Anfang des Artikel erwähnten Aspekte von “cleanEuro” noch kurz aufzunehmen:
Nahe
Morgen möchte ich gerne in dieser Reihe: Designbeispiele den Artikel “Warum in die Ferne schweifen, wenn das Nahe ist so gut” vorstellen, die den Aspekt Design made in Germany thematisieren.
Öko
Öko im Bezug auf Designbeispiele für “green design” werde ich ebenfalls in einem eigenem Artikelbehandeln, Designbeispiele in Hinblick auf “recycling” habe ich bereits in dem Artikel “Abfälle werden zu Design-Produkten” vorgestellt.
Hier gehts zur Übersicht der aktuellen Artikel
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